*Schöne Quarks sind nicht symmetrisch*
*Schöne Quarks sind nicht symmetrisch* TU
Dresden verleiht Ehrendoktorwürde an Jonathan Dorfan, Pionier des
experimentellen Vergleichs von Materie und Antimaterie Am Montag,
6. Juli 2009, verleiht die Technische Universität Dresden dem
Teilchenphysiker Prof. Dr. Jonathan Dorfan die Ehrendoktorwürde.
Sie ehrt damit den Vater der experimentellen Entdeckung, dass
bestimmte Elementarteilchen, so genannte „Beauty-Quarks“ und ihre
Gegenspieler aus Antimaterie, die „Anti-Beauty-Quarks“, nicht ganz
symmetrisch zueinander sind. Zwei Japaner hatten diese Vermutung
bereits 1973 angestellt. Nachdem ihre Theorie im Jahr 2001 an dem
von Dorfan geleiteten „Stanford Linear Accelerator Center“ SLAC in
Palo Alto (USA) bestätigt werden konnte, erhielten beide für ihre
erfolgreiche Vorhersage im letzten Jahr den Nobelpreis für Physik.
Jonathan Dorfan wurde in Kapstadt (Südafrika) geboren, wuchs dort
auf und erhielt 1969 den Bachelor-Grad in Physik an der Universität
Kapstadt. Unmittelbar danach setzte er seine Studien in den USA
fort und promovierte 1976 in Experimenteller Teilchenphysik an der
University of California in Irvine. Seit 1989 ist er Full Professor
an der Stanford University. 1994 wurde er zunächst Associate
Director und von 1999 bis 2007 schließlich Direktor des SLAC.
„Prof. Dorfans bedeutendste Leistungen sind die Planung, der Aufbau
und der Betrieb eines Elektron-Positron-Speicherrings am SLAC zur
massenhaften Erzeugung von Beauty-Quarks und Anti-Beauty-Quarks und
deren Untersuchung durch den so genannten BABAR-Detektor, an dem
die Teilchenphysikgruppe der TU Dresden von Anfang an mitgearbeitet
hat“, erläutert Klaus Schubert, inzwischen emeritierter Inhaber der
hiesigen Professur für Teilchenphysik. „Dank des Könnens von
Jonathan Dorfan, seiner Erfahrung, seines politischen Geschicks und
vor allem seines vollen persönlichen und nie nachlassenden
Einsatzes erreichte die Speicherringanlage einen zuverlässigen
Dauerbetrieb mit dreifach höherer Intensität als geplant“, so der
Dresdner Forscher, dessen Engagement die Einwerbung von
Fördergeldern des deutschen Bundesforschungsministeriums für das
BABAR-Experiment zu verdanken ist. Dies ermöglichte noch sieben
anderen deutschen Teilchenphysikgruppen, dem Dresdner Vorbild zu
folgen und die „Schönen Quarks“ genau unter die Lupe zu nehmen. Die
BABAR-Kollaboration umfasst etwa 600 Physiker aus 80 Instituten in
elf Ländern und befasst sich unter anderem mit der Frage, warum es
im Universum heute keine Antimaterie mehr gibt, obwohl diese beim
Urknall in genau derselben Menge entstanden sein muss wie Materie.
Man weiß heute, dass sich innerhalb des Bruchteils einer Sekunde
nach dem Urknall eine winzige Asymmetrie entwickelt hat, so dass
für je 1.000.000.000 sich vernichtende Materie- und
Antimaterieteilchen ein Überschuss von 1 Materieteilchen überlebt
hat. Genau eine solche Asymmetrie gibt es bei den „Schönen Quarks“:
Wie auf zwei miteinander verbundenen Schaukeln wandeln sich
Teilchen mit Beauty-Quarks und Teilchen mit Anti-Beauty-Quarks
Tausend Milliarden Mal in einer Sekunde immer wieder ineinander um.
„Aber im Gegensatz zur Schaukel geht das in die eine Richtung ein
ganz klein wenig schneller als in die andere“, erklärt Professor
Michael Kobel, der nach der Emeritierung von Klaus Schubert das
Projekt an der TU Dresden weitergeführt hat. „Diesen vor 36 Jahren
vorhergesagten Effekt hat das BABAR-Experiment nun gefunden und
genau vermessen, allerdings mit dem Ergebnis, dass er zu klein ist,
um den kurz nach dem Urknall entstandenen Überschuss an Materie zu
erklären. Wir müssen also weiter nach dem eigentlichen Grund
suchen, warum das Universum der vollständigen Vernichtung knapp
entgangen ist: Vielleicht liegt der Schlüssel in der Vermessung
anderer Teilchen mit „Schönen Quarks“ am Large Hadron Collider LHC,
vielleicht bei den von meinen Dresdner Kollegen untersuchten
Neutrinos, vielleicht aber auch ganz woanders,“ spekuliert
Professor Kobel. „Dem BABAR-Experiment verdankt die TU Dresden,
dass ihre Teilchenphysikgruppe von Anfang an wohl definierte Ziele
und Aufgaben hatte“, ergänzt Schubert. „Von 1995 bis heute wurden
an der TU Dresden 25 Diplomarbeiten, 16 Doktorarbeiten und eine
Habilitation mit BABAR-Detektorentwicklungen und
BABAR-Physikanalysen erfolgreich beendet. Alle diese Erfolge
verdankt die Dresdner Teilchenphysik in hohem Maße Jonathan
Dorfan.“ Die festliche Verleihung der Ehrendoktorwürde findet am 6.
Juli 2009 um 15 Uhr im Festsaal des Rektorats der TU Dresden statt.
Informationen für Journalisten: Prof. Dr. Michael Kobel
(kobel@physik.tu-dresden.de ) oder Prof. Dr. Klaus Schubert
(_klaus.schubert@tu-dresden.de_) Tel. 0351 463-37659 Dresden, 2.
Juli 2009 -- Pressestelle TU Dresden 01062 Dresden Tel. 0351
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